VISUAL & INTEGRATED DESIGN

Branding

Motion

Design Science

Editorial

Graphic Design

Philip Henke 2026

Ich arbeite an der Schnittstelle von Gestaltung, gesellschaftlichen Themen und visueller Kommunikation. Mich interessieren Projekte, die nicht nur etwas darstellen, sondern Fragen stellen, Zusammenhänge sichtbar machen und eine eigene Haltung entwickeln.

Mein Schwerpunkt liegt auf Grafikdesign und Integriertem Design. Ergänzend arbeite ich mit Identität, Bild, Film und Motion, um visuelle Systeme über verschiedene Medien hinweg zu entwickeln und erweitere stets meinen gestalterischen Werkzeugkoffer zu erweitern.

CRUX - Handlungsspielraum Designender im heutigen System

CRUX untersucht den Handlungsspielraum von Designenden zwischen Auftraggeber, ökonomischen Zwängen, gesellschaftlicher Verantwortung und den eigenen Ansprüchen an Gestaltung. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Designprozesse organisiert sind und welche Rolle Designer darin einnehmen.

Dabei hinterfragt die Arbeit den Double Diamond als etabliertes
Design-Thinking-Modell: Seine lineare Struktur suggeriert klar voneinander getrennte Phasen und Verantwortlichkeiten, während reale Gestaltungsprozesse von Interdisziplinarität, Rückkopplungen und der kontinuierlichen Beteiligung aller Projektbeteiligten geprägt sind. CRUX versteht Gestaltung deshalb nicht als isolierte Leistung von Designer, sondern als integrierten, kollaborativen Prozess.

Inhaltlich orientiert sich die Arbeit insbesondere an Victor Papaneks Verständnis von Design als gesellschaftlich verantwortliche Praxis. Design wird dabei nicht allein als Formgebung oder Problemlösung betrachtet, sondern als Tätigkeit, die soziale, politische und ökonomische Zusammenhänge mitgestaltet.

Entstanden ist eine Zeitung, die theoretische Recherche und Interviews miteinander verbindet und unterschiedliche Perspektiven auf die Rolle von Designenden versammelt und appelliert, den eigenen Designprozess stets zu hinterfragen

Wie frei können Designer*Innen innerhalb der Bedingungen arbeiten, in denen Design heute entsteht?

Die Infografik visualisiert Victor Papaneks Erweiterung des klassischen Designprozesses um eine omnidirektionale Perspektive.

Ausgangspunkt ist ein konkretes Designproblem: „Entwirf einen Stuhl.“ Statt sich linear von der Problemstellung zu einer einzelnen Lösung zu bewegen, öffnet sich der Prozess in verschiedene Richtungen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen entstehen neue Perspektiven auf das ursprüngliche Problem – etwa durch medizinisches Wissen zur Sitzhaltung, soziologische Erkenntnisse oder die Erfahrungen der späteren Nutzer*innen.

Aus dem vermeintlichen Stuhlproblem kann so eine völlig andere Fragestellung entstehen: etwa, wie Arbeits­plätze gestaltet sein müssen, damit Sekretär*innen von zu Hause aus arbeiten können. Design wird damit nicht nur zur Entwicklung eines Produkts eingesetzt, sondern zur Neudefinition des Problems selbst.

Die Darstellung setzt sich zugleich kritisch mit Design Thinking auseinander. Die Methode verspricht Innovation, Nutzer*innenorientierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit, ist jedoch in ihrer praktischen Anwendung eng mit bestimmten Organisations- und Arbeitskulturen verbunden. Die Infografik macht sichtbar, dass Designprozesse nicht neutral oder linear verlaufen, sondern durch gesellschaftliche, ökonomische und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt werden.

Design beginnt damit nicht zwingend bei der Lösung eines Problems.
Es kann ebenso bedeuten, die Frage hinter dem Problem neu zu stellen.

CARRY – DIGITALE BEGLEITUNG IM ASYLPROZESS

Der deutsche Asylprozess ist komplex, bürokratisch und selbst für Muttersprachler*innen schwer zu durchschauen. Für Geflüchtete kommen weitere Hürden hinzu: Sprachbarrieren, fehlende Netzwerke, unklare Zuständigkeiten und mangelnde Zugänglichkeit von Informationen erschweren die Orientierung und gesellschaftliche Teilhabe.

CARRY ist das Konzept für eine App, die Geflüchtete niedrigschwellig durch den Asylprozess begleitet. Informationen zu Anträgen, Terminen, Zuständigkeiten und weiteren wichtigen Schritten werden gebündelt, verständlich aufbereitet und entlang des individuellen Prozesses zugänglich gemacht.

Dabei soll die App nicht nur informieren, sondern Sicherheit und Orientierung schaffen. Nutzer*innen werden Schritt für Schritt durch einen häufig unübersichtlichen Prozess geführt und erhalten auch über das Asylverfahren hinaus relevante Informationen für ihren Alltag.

Der Name Carry leitet sich vom englischen to carry – tragen, begleiten, unterstützen – ab und beschreibt damit die zentrale Idee des Projekts: nicht den Weg abzunehmen, sondern Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen.

Aus dem Konzept entstand ein interaktiver Prototyp der Carry-App, der den geplanten Ablauf und die zentralen Funktionen der Anwendung erlebbar macht.

Die Entwicklung wurde durch Expert*inneninterviews mit Personen aus relevanten sozialen und institutionellen Bereichen ergänzt, sowie den Endkonsument*Innen, Geflüchteten selbst. Die Gespräche halfen dabei, bestehende Herausforderungen im Asylprozess besser zu verstehen und die Anforderungen an eine niedrigschwellige digitale Unterstützung zu schärfen.

Zum Prototypen

BRANDING

Der WINZERHOF SCHLOSSER bei Wien wurde von einer in Copperplate gesetzten Wortmarke zu einem zeitgemäßeren und eigenständigeren Erscheinungsbild geführt. Ziel war es, dem vergleichsweise preisbewussten Weinangebot eine charakterstarke Identität zu geben, ohne den Anspruch unnötig zu überhöhen.

Die neue Wort-Bildmarke basiert auf der DIN Condensed und verbindet Typografie mit einem abstrahierten Schlüssel. Dabei werden das L und O von „Schlosser“ zu den Bestandteilen des Schlüssels: Ein gespiegeltes L bildet den Bart, während das O den Schlüsselkopf bildet und beide Buchstaben miteinander verbindet.

Die Konstruktion ermöglicht es, die Marke flexibel einzusetzen und Wortmarke und Bildzeichen sowohl
gemeinsam als auch unabhängig voneinander zu verwenden. So
entsteht aus einer typografischen Intervention ein vielseitiges Markenzeichen, das sich über verschiedene Anwendungen hinweg konsistent einsetzen lässt.

Bildmarke

Sorte „Mondscheinlese – Riesling
vor (links) und nach (rechts) dem Rebranding

Für das Wiener elektronische Musikkollektiv AUDIO ANGELS entstand ein Logo, das die beiden Bestandteile des Namens visuell miteinander verbindet.

Ein Heiligenschein trifft auf die runde Form eines Lautsprechers: Aus der Überlagerung von sakraler Symbolik und elektronischer Klangkultur entsteht ein eigenständiges Zeichen, das den Namen unmittelbar aufgreift.

Die reduzierte, geometrische Form funktioniert sowohl als eigenständiges Symbol als auch in Kombination mit der Wortmarke und lässt sich flexibel über verschiedene Medien und Anwendungen einsetzen.

Für ESPRESSO MaTINY, einen 2cl großen Espresso Martini aus Hannover, habe ich ein Branding entwickelt, das bewusst laut, direkt und mit einem Augenzwinkern auftritt. Die Gestaltung verbindet klassische Bar- und Cocktailästhetik mit einer plakativ-typografischen Bildsprache und einem leicht trashigen Charme. Entstanden ist eine eigenständige Markenwelt, die das Produkt weniger als klassischen Cocktail, sondern vielmehr als unkomplizierten, urbanen Drink inszeniert.

MOTION